Benazir Bhutto – Tochter der Macht (2004/2005)
Benazir Bhutto, 1953 in eine der einflussreichsten Familien Pakistans hineingeboren, wird 1988 zum ersten weiblichen Regierungschef eines islamischen Landes gewählt. In ihrer Wahl sieht die äußerst machtbewusste Politikerin eine Art Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht: Denn ihr Vater, Pakistans früherer Staats- und Regierungschef Zulfikar Ali Bhutto, war 1979 vom damaligen Militärmachthaber Zia ul-Haq hingerichtet worden. Doch kaum zwei Jahre nach ihrer Wahl wird Benazir Bhutto abgesetzt – offizielle Begründung: Korruption und Amtsmissbrauch. 1993 wird sie wiedergewählt, aber auch diesmal folgt der Machtverlust nach wenigen Jahren: Wegen einer Reihe von Skandalen verliert sie 1996 das Amt erneut. 1999 geht sie mit Ehemann und Kindern ins Exil nach Dubai, doch gibt sie fortan zu keinem Zeitpunkt den Plan auf, in ihre Heimat – und an die Macht – zurückzukehren …
Im Herbst 2007 scheint dieses Ziel für Benazir Bhutto in greifbare Nähe gerückt zu sein: Aus dem Exil nach Pakistan heimgekehrt (und dort von großen Teilen der Bevölkerung begeistert empfangen), gelingt ihr zunächst der Spagat zwischen der selbstdefinierten Rolle als demokratische Oppositionsführerin einerseits und der an einem „demokratiefreundlichen Deal“ mit Staats- und Militärchef Musharraf interessierten Machtpolitikerin andererseits – ein Deal, der für Benazir Bhutto tatsächlich die Rückkehr an die Regierung ihres Heimatlandes hätte bedeuten können … Doch am 27. Dezember 2007 fällt sie, mitten im Wahlkampf, einem Attentat zum Opfer.
In Philip Selkirks Film schildert die „Tochter der Macht“ ihren Weg an die Spitze ihres Landes und beschreibt die Demütigungen und Verfolgungen, denen sie und ihre Familie unter dem Regime des Generals Zia ul-Haq ausgesetzt waren. Dabei vermittelt sie beklemmende Eindrücke aus vielen Jahren der Diktatur in Pakistan und bezieht Stellung zu den Korruptionsvorwürfen gegen sie und ihren Ehemann, die sie zwei Mal ihr Amt als Premierministerin kosteten.
Das filmische Porträt, das mehrfach vom Bayerischen Fernsehen und von arte sowie auch im ARD-Hauptprogramm ausgestrahlt wurde, bietet eine aufschlussreiche, psychogrammartige Einschätzung der vielschichtigen Persönlichkeit Benazir Bhuttos. Zudem liefert es posthume Antworten auf Fragen, die angesichts der Tatsache, dass Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari im September 2008 zum pakistanischen Staatspräsidenten ernannt wurde, heute spannender sind denn je: Wer war diese macht- und dynastiebewusste Frau, die kurz davorstand, zum dritten Mal die Regierungsspitze Pakistans zu erobern? Was trieb sie an? Woraus resultierte ihre große Beliebtheit beim pakistanischen Volk?
„Ich wurde in der Gewissheit erzogen, dass für eine Frau alles möglich ist: Karriere, aber auch Familie. Dies war mein Ziel, und mit Gottes Hilfe habe ich es erreicht. Dabei war mir stets bewusst, dass man sich für Erfolg besonders anstrengen muss.“ (Benazir Bhutto)
Projektinfos
- Kunde: arte
- Laufzeit: 62 min.
- Regie: Philip R. Selkirk
- Produziert von: Selkirk Pictures & Enterprises Ltd. / Boll AG
- Text: Philip R. Selkirk
- Sprachen: Deutsch / Englisch / Französisch
